Kindgerechte Lehrersprache

in der 1. und 2. Klasse

Kindgerechte Lehrersprache

Welche/r Lehrer/in kennt das nicht: Die Stunde ist gut vorbereitet, der Stoff dem Niveau der Kinder angepasst, das Material ansprechend gestaltet. Und trotzdem: Die Kinder sind unruhig, erfassen die Arbeitsaufträge nicht vollständig und machen einfach nicht richtig mit. Man kriegt Stunde und Kinder nicht in den Griff. Was ist nur los?

Dafür gibt es mehrere mögliche Gründe – meiner Erfahrung nach ist einer davon Überforderung. Gemeint ist hier nicht die stoffliche, sondern lediglich die sprachliche Überforderung.

Lehrersprache im grundschulunterricht

Vor einigen Jahren hörte ich in einer Fortbildung den für mich wegweisenden Kernsatz: „Kinder können nur so schnell denken, wie sie reden.“ Nimmt man diese Erkenntnis ernst, hat das vor allem für die Sprache in ersten beiden Jahrgangsstufen gravierende Folgen:

Man sollte grundsätzlich erst sprechen, wenn alle Kinder die Aufmerksamkeit bei der Lehrerin/ dem Lehrer haben. Was so einfach klingt, ist nicht immer auch gut umsetzbar. Oft drängt die Zeit oder andere Umstände verführen dazu, sich nicht die Zeit und die Ruhe zu nehmen.

Sprachstruktur

Wichtig ist, einfache Sätze zu verwenden, und zwar möglichst ohne Nebensätze, damit alle Kinder die Chance haben, mitdenken zu können.

Nach gedanklichen Einheiten kann man deutliche – sogar etwas übertriebene – Sprechpausen machen, in denen die Kinder „hinterherdenken“ können. Das ist am Anfang sehr ungewohnt, wird aber belohnt durch aufmerksamere Kinder.

Ich versuche auch, wenig Information auf einmal zu vermitteln. Das führt dazu, dass nahezu alle Kinder die Chance haben, das Gesagte zu erfassen.

Die Schüler/innen müssen nicht immer völlig aufmerksam sein – das kann niemand leisten – sie dürfen ruhig den anderen abschauen, wenn sie etwas nicht mitbekommen haben. Bei wichtigen Erklärungen und Informationen (Aufgabenstellung, Hausaufgaben,….) allerdings, erwarte ich absolute Ruhe und Konzentration. Aus diesem Grund kündige ich deshalb auch an, wann wieder so etwas Wichtiges kommt- kennzeichne das also verbal –  damit alle wissen, dass sie genau jetzt gut zuhören müssen.

Stichpunkte, Schlagworte, Mimik und Gestik

Außerdem wiederhole ich beispielsweise bei Arbeitsaufträgen, Spielregeln, usw. die einzelnen Schritte bzw. Aufgaben nochmals in Stichpunkten, dann in Schlagworten.  Dazu könnte man alle Kinder aktivieren (aufstehen, Handzeichen, mitsprechen,….).

Ich erkläre erst möglichst einfach und mache das am besten noch mit einem Kind vor: „Du hast eine Karte mit einer Rechenaufgabe bekommen. -Damit gehst du leise im Klassenzimmer herum. – Beim Gong bleibst du stehen und gehst du mit dem zusammen, der neben dir steht. Wer niemanden hat, kommt zu mir. – Du stellst deinem Partner deine Rechenaufgabe und er muss sie lösen. Du verbesserst, falls nötig. Dann umgekehrt. – Am Ende tauscht ihr die Karten. – Dann gehst du weiter.“

Dann in Stichpunkten: „leise herumgehen  – beim Gong stehen bleiben und Partner finden – gegenseitig Rechenaufgabe stellen und lösen – Karten tauschen – weitergehen“

Zum Schluss wiederhole ich in Schlagworten und zeige auch mit den Fingern 1., 2. usw. Die Kinder machen die Handzeichen mit: „herumgehen – Partner finden – Aufgaben lösen – tauschen – weiter“

Derartige Informationen kann man noch mit markanter Mimik und Gestik unterstützen – da darf man ruhig mal die Schauspieler/in in sich rauslassen 🙂 . Auch dadurch merken die Kinder, dass jetzt etwas Bedeutsames vermittelt wird.

Außerdem ersetzt diese Art der Vermittlung oft die Veranschaulichung durch Wort- oder Bildkarten.  Damit lernen die Kinder auch das Zuhören ohne Bildunterstützung.

Lernatmosphäre

Meiner Erfahrung nach führt diese einfache und phasenweise plakative Sprache und Erklärweise dazu, dass alle Kinder im Laufe der Zeit merken, dass sie sich auf mich verlassen können: Ich sorge, dafür sie alles verstehen. Nur ein Gefühl der Sicherheit schaffte eine positive Lernatmosphäre, in der sich wirklich alle wohlfühlen. Auch – und vor allem schwache Kinder haben meines Erachtens ein Recht darauf, dass wir sie mit einfacher, kindgerechter Sprache unterstützen.

Nicht immer ist es einfach, sich auf ein völlig anderes Sprachniveau herabzubegeben. Aber ich finde, es lohnt sich, das man mit aufmerksamen und motivierten Kindern belohnt wird.

Kinder können oft nur so schnell denken, wie sie reden. Deshalb:

  • erst sprechen, wenn alle Kinder aufmerksam –> Ruhe als Voraussetzung
  • klare Sprache, wenig Nebensätze –> andere Sprache als mit Erwachsenen
  • viele Sprechpausen zwischen den Informationen
  • wenig Information auf einmal
  • wichtige Informationen verbal kennzeichnen
  • Wiederholung in Stichpunkten, dann in Schlagworten
  • bei Wiederholung alle Kinder aktivieren (sprechen, Handzeichen, aufstehen,….)
  • markante Mimik und Gestik –> Schauspieler
  • abschauen von anderen erlauben
  • Prinzip:  Aufmerksamkeit darf manchmal abschweifen, aber bei wichtigen Erklärungen musst du aufpassen
  • nicht alles mit Bildern –> zuhören lernen, statt Bilder Gesten

Natürlich ist die Schilderung hier nur meine eigene Erfahrung und bestimmt kein ausschließliches oder allgemeingültiges Konzept! Hoffentlich hilft euch der ein oder andere Tipp dennoch weiter 🙂

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