Der erste Schultag

Wichtig vorab: Der folgende Beitrag ist ein Auszug unserer Erfahrungen. Es gibt noch viele weitere Gestaltungsmöglichkeiten dieses Tages, die genauso gut funktionieren. Vielleicht hilft euch ja unser Beitrag ein wenig weiter, wenn ihr auf der Suche nach Tipps seid.

Aufregend ist er immer, der erste Schultag – nicht nur für Eltern und Schulanfänger/innen. Auch nach vielen Jahren Klassenführung in 1./2. Klasse bleibt dieser besondere Zauber des ersten Schultages immer noch erhalten. Ich habe schon viele verschiedene Abläufe ausprobiert. Der hier vorgestellte hat sich für mich am besten bewährt.

Begrüßung

Ich begrüße Eltern und Kinder an der Schulhaustüre und bitte sie, in der Aula gemeinsam zu warten. Das Klassenzimmer bleibt noch verschlossen, da es immer einige vorschnelle Eltern gibt, die sich und/oder ihren Kindern einen guten Platz sichern wollen. Wenn nahezu alle da sind – also kurz vor acht – gehen wir gemeinsam ins Klassenzimmer. Auf dem Wege dorthin, zeige ich die Garderobe. Wer eine Jacke oder auch das Turnsäckchen dabei hat, darf das schon mal aufhängen. Die Hausschuhe werden an den Platz gestellt, aber heute ausnahmsweise noch nicht angezogen – das gibt sonst ein großes Gewirr.

Im Klassenzimmer suchen sich die Kinder selbst einen Platz. Hier wartet schon ein kleiner Glücksbringer. Der Hinweis, dass wir ohnehin in den nächsten Tagen wieder umsetzen, entspannt Eltern und Schulkinder. Währenddessen bitte ich die Eltern, die Materialien der Kinder am Rand aufzustapeln. Um das Chaos zu minimieren, mache ich das mit dem Material eines Kindes vor (alle karierten Hefte auf einen Stapel, alle roten Schnellhefter, alle Blanko-Doppelhefte usw., nicht jedoch die Materialien, die bei den Kindern bleiben sollen). Das spart Zeit, die Eltern haben etwas zu tun und kommen ins Gespräch.

Die Kinder dürfen nun ihre Schultüte in den Kreis vor der Tafel legen und auf dem Rückweg  ihr Namenschild, das auf der Fensterbank aufgestellt ist, suchen und an ihren Platz bringen. Die Eltern und Angehörigen stellen sich hinten oder an den Seiten auf.. Fotos oder filmen sind nicht erlaubt, das bedarf manchmal gesonderter Erklärung oder auch Aufforderung.

Nun begrüße ich alle und kläre Organisatorisches: Anwesenheit, Zeitablauf dieses Tages, Stundenplan austeilen, Buslinien und Busfahren (bei detaillierten Fragen dazu evtl. ans Sekretariat verweisen), Mittagsbetreuung, Termin des 1.Elternabends.

Nun kommt unser Klassenmaskottchen Ele zum Einsatz – einen Elefanten-Handpuppe. Der fürchtet sich nämlich, wenn so viele Erwachsenem Raum sind und traut sich nicht recht heraus. Deshalb werden die Eltern und Angehörigen jetzt nach draußen gebeten. In unserer Schule gibt’s im Elterncafé des Elternbeirats die nötige Nervennahrung für nervöse Eltern.

Jetzt traut sich Ele heraus, stellt sich der Klasse vor und macht jede Menge Quatsch (versucht sich in Schultaschen zu verstecken, möchte Schultüten öffnen,….)

Falls noch Zeit ist, ist nun auch Gelegenheit, einige wichtige Regeln zu erklären: Wer dringend auf die Toilette muss, soll dies rechtzeitig sagen. Das Federmäppchen hat seinen Parkplatz auf dem Tisch. Wie geht’s heute weiter? …

Normalerweise bleibt nicht viel Zeit, bis die Klasse schon wieder zur Begrüßung durch die Schulfamilie in die Aula geht – der Zeitplan ist ziemlich eng.

In der Aula wird gemeinsam das Willkommenslied gesungen, das alle Klassen kennen und das ich an den Schnuppertagen mit den neuen Erstklässlern schon geübt habe. Der Begrüßung durch die Schulleitung folgen nun die Wünsche einiger „großer Schulkinder“ für unsere Neuen. Die Patenkinder bilden ein Spalier durch das ich die 1.Klasse ins Klassenzimmer zurückführe. Die übrigen Klasse singen währenddessen unser Schullied oder nochmals das Willkommenslied. Durch diese Aktion merken die Erstklässler/innen gar nicht, dass die Eltern nicht mitkommen. Falls doch ein Kind weinen sollte, hilft es, nicht besonders darauf einzugehen, sonst hat man in kürzester Zeit eine ganze Klasse im Abschiedsschmerz. Je enger die Kinder in Aktionen eingebunden sind, desto weniger Zeit haben sie für Tränen.

Kennenlernen

In der Klasse angekommen, bilden wir mit den Stühlen einen Sitzkreis um die Schultüten.

Die erste große Herausforderung des Tages. Die Kinder müssen nicht bei ihren Schultüten sitzen, dieser Hinweis entspannt alle Beteiligten.

Im Falle hartnäckiger Tränen hilft es manchmal, wenn die Mutter hinten stehen bleibt und – während das Kind abgelenkt ist – auf ein Zeichen von mir unbemerkt hinausgeht. Manchmal hilft auch, wenn Ele Blödsinn macht – Lachen vertreibt die Tränen.

Nun machen wir das Kennenlernspiel, das wir bereits im Kindergarten gespielt haben. („Ich heiße Frau Schütz und wie heißt du?“ Dabei schaue ich ein Kind an oder deute darauf. Im Kindergarten habe ich einen Ball hingerollt. Das geht hier wegen der Schultüten nicht. Das Kind sagt ebenfalls „Ich heiße …. und wie heißt du“? und deutet dabei auf das nächste Kind oder schaut es an, je nach Variante). Sollte diese Begrüßung so lange dauern, dass die Konzentration nachlässt, kann man hier eine kurze Bewegungsphase einbauen. Allerdings sollte man immer den auf Kante genähten Zeitplan im Blick haben.

Als nächstes machen wir ein Schultütenrätsel. Ein Kind beschreibt kurz seine Schultüte (z.B. „Meine Schultüte ist lila und hat Pferde darauf.“) Alle Kinder dürfen nun auf die Schultüte deuten, auf die die Beschreibung zutrifft. Dann ist das nächste Kind dran. Die Schultüten werden nicht in der Schule geöffnet, da dies den Zeitrahmen sprengen würde. Außerdem vermeidet man damit das unvermeidliche Vergleichen.

Der Stuhlkreis wird aufgelöst, wobei man schon auf den richtigen Transport der Stühle hinweisen kann (Eine Hand fasst die Lehne, eine Hand die Sitzfläche, Stuhl vor dem Körper tragen!). Auch kann man hier schon darauf achten, dass die Kinder nicht zurückstürmen, sondern rücksichtsvoll gehen. Je eher klare Regeln kommuniziert werden, desto besser. Unsitten, die sich am Beginn des Schuljahres einschleifen, sind nicht so leicht wieder abzugewöhnen.

Ein Highlight des Tages ist die erste Hausaufgabe. Frischgebackene Erstklässler/innen sind sehr enttäuscht, wenn sie dabei nur malen dürfen, das empfinden sie als Kindergarten-Aufgaben. Deshalb zeigt das Arbeitsblatt, das ich dafür austeile, nur den Umriss einer Schultüte und die Überschrift „Meine Schultüte“. Hausaufgabe ist, tatsächlich erst mal zu malen wie die Schultüte aussieht. Aber darum herum sollen die Kinder nicht nur malen, was in der Tüte war, sondern auch, welche Buchstaben, Wörter und Zahlen sie schon schreiben können – also eine versteckte Weißblatt-Aufgabe.

Gemeinsam holen wir die Hausaufgaben-Mappe aus dem Schulranzen, legen das Arbeitsblatt hinein und räumen den Platz auf. Der Glücksbringer darf natürlich auch hinein. Meiner Erfahrung nach ist es wichtig, von Anfang an dem Einpacken der Hausaufgabe sowie dem Aufräumen des Platzes viel Beachtung zu schenken und das auch zu kommunizieren.

Achtung: Dafür viel Zeit einplanen – wenn Hektik oder Chaos ausbricht, sind die Kinder schnell überfordert! Auch, wenn es anstrengend ist:  Was man am Beginn einschult, bleibt! An dieser Stelle weise ich auch sehr nachdrücklich darauf hin, dass es jeden Tag Hausaufgabe gibt, die auch gemacht werden muss.

Abschluss

Zum Schluss fotografiere ich noch jedes Kind mit seiner Schultüte vor der Tafel. (Dieses Foto kommt später auf die erste Seite des HSU-Heftes zum Eintrag „Mein erster Schultag“ ). Während des Fotografierens, malen die anderen Kinder ihre Namensschilder an (danach Federmäppchen wieder wegpacken und Platz aufräumen!). Danach stellen wir uns alle zum Klassenfoto vor der Tafel auf. Das habe ich vorher mit einer Kollegin vereinbart, die nun fotografiert. (Viele Schulen engagieren einen Fotografen, was entspannender für die Lehrerin, aber auch zeitaufwändiger ist.)

Die stolzen Schüler/innen werden nun an die Eltern übergeben. Hier hat es sich als entspannend erwiesen, wenn ich kurz Feedback gebe, dass die Kinder es toll gemacht haben und wir eine tolle Klassengemeinschaft werden, etc. Für die Eltern ist der Schulanfang teilweise mindestens so aufregend wie für ihre Kinder. Es wirkt deshalb sehr beruhigend, wenn die Lehrkraft vermittelt, dass sie kompetent und sicher ist, indem was sie tut und dass der Vormittag sehr gut gelaufen ist.

Trotz aller Anstrengung ist dies der schönste Tag des ganzen Schuljahres für mich. Diese strahlenden, erwartungsvollen Kindergesichter sind eine wunderschöne Belohnung für die Arbeit und Organisation, die im ersten Schultag stecken. Bis man die nötige Erfahrung hat, geht einiges schief – das ist völlig normal. Wichtig ist nur, dass man die Kinder und ihre mögliche Überforderung im Blick hat und wohlwollend mit allen Beteiligten umgeht. Ich wünsche allen, die eine erste Klasse unterrichten, viel Geduld mit den Kindern, den Eltern, aber auch mit sich. Viel Spaß!

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