Buchstabeneinführung Grundschule

Buchstabeneinführung Grundschule Klasse 1 Deutsch

Meine Unterrichtsstunden in der 1. Klasse

In meiner Unterrichtspraxis hat sich ein immer gleicher Ablauf zur Einführung eines neuen Buchstaben bewährt, den ich euch vorstellen möchte. Ich plane für jede Buchstabeneinführung mindestens vier Unterrichtseinheiten ein:

  1. Buchstabe vorstellen
  2. Übung
  3. Leseblatt aus Lesekurs
  4. Schreibübung im Landré-Heft
  5. Mögliche Stationen für ein Stationentraining

Wie es nach dem Einführen von Buchstaben mit dem Schriftspracherwerb weitergeht, kannst du hier lesen.

Warum ein immer gleicher Ablauf so wichtig ist

Klar, man könnte meinen, dass den Kindern irgendwann langweilig wird, wenn sie bei so vielen Buchstaben immer das gleiche machen sollen. Aber: Eine Routine bedeutet auch, dass die Abläufe automatisiert sind. Und wenn das der Fall ist, kann man sich viel besser auf das Wesentliche konzentrieren, nämlich den Buchstaben an sich. Gerade bei der Einführung an sich müssten sich die Kinder sonst möglicherweise auf immer neue Arbeitsformen einstellen und sind dadurch etwas abgelenkt.

Außerdem braucht man bei der Buchstabeneinführung keine zusätzliche Motivation durch verschiedene Einführungsformen, denn das Lernen eines neuen Buchstabens ist Motivation genug. Die Kinder wollen lesen und schreiben lernen und sind daher von sich aus schon begeistert, also kannst du dir die Mühe für abwechslungsreiche Methoden sparen :).

Bei einer Routine wirst zudem nicht nur du, sondern auch die Kinder schneller und sicherer. So wissen alle was zu tun ist und man kann schneller in die Übungsphase übergehen. Ich kann dir also aus meiner Erfahrung nur raten, einen immer gleichen Ablauf für die Einführung von Buchstaben zu entwickeln.

1. Unterrichtseinheit: Buchstabe vorstellen

Buchstaben einführen, Buchstaben vorstellen Grundschule 1. Klasse
Vorbereitung

Vor dem Unterricht: In der Früh bzw. in einer Pause oder Zwischenstunde male oder hänge ich ein Bild zur Geschichte an die Tafel, ich habe für jeden Buchstaben eine eigene, also auch immer andere Bilder. Um nichts vorwegzunehmen klappe ich anschließend die Tafel zu. Außerdem habe ich für jeden Buchstaben einen eigenen Spruch, den ich vor der Stunde für jedes Kind kopiere.

Einstieg

Zu Beginn der Unterrichtsstunde lese ich dann zuerst die für den Buchstaben geplante Geschichte vor. Ich verwende dafür das Buch „Lesen lernen mit links“* von Christina Buchner. Die Kinder bekommen dadurch einen spielerischen Zugang zu Buchstaben, womit das Buch eine Abwechslung zu Fibeln darstellt.

(*Werbung, da Markennenung, allerdings habe ich das Buch selbst gekauft und werde für dessen Nennung NICHT bezahlt. Ich möchte lediglich meine Erfahrungen damit mit euch teilen :))

Bibliographie des genannten Buches: Buchner, Christina (2012): Lesen lernen mit links… und rechts, gehirnfreundlich und ohne Stress: Bilder, Geschichten, Ideen für Lehrer, Eltern und Therapeuten. 11. Auflage. VAK Verlags GmbH

Erarbeitung

Nach dem Vorlesen spreche ich den Buchstaben-Spruch (auch aus oben genanntem Buch) vor und manchmal mache ich auch Bewegungen dazu, die die Klasse nachmacht. Bei erneutem Vorlesen des Spruches sollen die Kinder mitsprechen.

Als nächstes sollen die Schülerinnen und Schüler die Form der Buchstaben kennenlernen. Dazu schreibe den Groß- und Kleinbuchstaben an die Tafel und spure ihn anschließend mehrmals mit verschiedenen Farben nach. Die Kinder machen dabei die Schreibbewegungen mit, und zwar:

  1. In der Luft
  2. Mit dem Finger auf dem Tisch
  3. Auf dem Rücken des Sitznachbarn
  4. Mit dem Fuß auf dem Boden.

Die Bewegungen sollen wirklich alle Kinder mitmachen, denn das Ziel ist es, die Bewegungsabläufe zu automatisieren!

Nun kann der Klang kennengelernt werden. Dazu spreche ich den Buchstaben deutlich vor und die Klasse spricht ihn nach. Dabei bewusst auf die Mundform und -bewegung achten und die Kinder eventuell darauf hinweisen!

Jetzt können schon ein paar Wörter, in denen der neue Buchstabe vorkommt, an die Tafel geschrieben werden. Schön wäre es, wenn in den Wörtern auch die anderen Buchstaben schon bekannt sind. Dabei soll der Buchstabe am Anfang, in der Mitte und auch mal im Wortauslaut vorkommen. Zudem kann man die Namen der Kinder an die Tafel schreiben, deren Namen mit dem neuen Buchstaben beginnt.

Anschließend lese ich die Wörter laut und vor allem deutlich vor. Die Kinder hören gut zu und entscheiden wo sie den neuen Bustaben hören. Um dies zu verdeutlichen, machen sie folgende Bewegungen:

  • Auf den Stuhl stellen, wenn der Buchstabe am Wortanfang zu hören ist
  • Auf den Stuhl setzen, wenn sich der Buchstabe in der Mitte befindet
  • In die Hocke gehen, wenn der Buchstabe am Wortende zu hören ist
Tafelbild Buchstabeneinführung Grundschule
Sicherung

Als nächstes wird ein Hefteintrag erstellt. Ich habe dafür ein eigenes Buchstabenheft (Doppelheft blanko DinA4), in das zuerst immer der Buchstabenspruch eingeklebt wird. Dann werden, wie an der Tafel, der Groß- und Kleinbuchstabe mit Bleistift geschrieben und mit farbigen Stiften oft nachgespurt. Dabei unbedingt auf Stift- und Schreibhaltung, sowie auf den richtigen Bewegungsablauf achten.

Nun werden die Wörter ins Heft übertragen, und zwar auch die, bei denen noch nicht alle Buchstaben bekannt sind. Ist dies erledigt, sollen die Kinder eine Bild zur Eingangsgeschichte und einen Bilderrahmen um den Spruch herum malen. Zudem soll der neue Buchstabe im Spruch „erleuchtet“ werden, indem die Kinder mit einem hellen Farbstift einen Kreis um den Buchstaben malen.

Buchstabeneinführung Grundschule Hefteintrag

Meine Hausaufgabe dazu: Hefteintrag fertig malen

Buchstabe einführen – Zusammenfassung

  • Vorbereitung: Bild an die Tafel, Spruch kopieren
  • Einstieg: Geschichte vorlesen
  • Erarbeitung: Buchstabenspruch sprechen, Bewegungsablauf für Buchstaben erlernen, Buchstabe sprechen, Wörter an die Tafel schreiben, Wörter sprechen und Position des neuen Buchstabens in den Wörternerkennen
  • Sicherung: Hefteintrag
  • Hausaufgabe: HE fertig machen

2. Unterrichtseinheit: Übung

Buchstabeneinführung Üben in der Grundschule 1. Klasse.

Diese zweite Unterrichtseinheit dient hauptsächlich der Übung, damit die Bewegungsabläufe beim Schreiben automatisiert werden. Als erstes wiederhole ich dazu mit den Kindern nochmal den Bewegungsablauf und die richtige Aussprache.

Anschließend schreiben die Kinder den Tafelanschrieb nochmals auf, diesmal aber auf ihre Scolaflex-Tafel. Wichtig dabei ist, dass beim Schreiben immer mitgesprochen wird. Das gibt zwar ein Grundgemurmel im Klassenzimmer, allerdings hilft es den Kindern! Außerdem schaue ich bei jedem Kind, ob die Stift- und Schreibhaltung sowie der Bewegungsablauf korrekt ist. Die Schülerinnen und Schüler sollen von Anfang an alles richtig machen, sonst kann es passieren, dass Haltungen und Abläufe falsch trainiert werden.

Als nächstes werden im Arbeitsheft Aufgaben zu Silben und Lauthören bearbeitet und der neue Buchstabe wird in die Zeilen geschrieben.

Meine Hausaufgabe dazu: Aufgaben aus dem Arbeitsheft

3. Unterrichtseinheit: Leseblatt aus Lesekurs

Buchstabeneinführung in der ersten Klasse in der Grundschule

In dieser Unterrichtseinheit geht es darum den neuen Buchstaben in vielen Wörtern zu erlesen. Dafür bekommt jedes Kind ein Blatt mit einem kurzen Text ausgeteilt. Wir lesen dann alle Wörter gemeinsam und ich lasse mir JEDES Wort IMMER erklären. So können der Vorgang des Lesens an sich und das verstehende Lesen gleichzeitig gefördert werden.

Dies kann auch in Form von Partnerlesen oder Tandemlesen umgesetzt werden. Bei beiden Formen lesen jeweils zwei Kinder zusammen. Idealerweise ist mindestens ein Kind eines Teams ein besserer Leser. Mit ganz schwachen Kindern kann auch mit der Lehrkraft ein Team gebildet werden.

24 Leseblätter kannst du hier kostenlos herunterladen!

Meine Hausaufgabe dazu: Jemandem den Text mehrmals laut vorlesen UND erklären.

4. Unterrichtseinheit: Schreibübung im Landré-Heft:

Ich schreibe jedem Kind den Groß- und Kleinbuchstaben sowie die Übungswörter einmal im Landré-Heft vor, sodass die Kinder diese dann als „Vorlage“ nutzen können.

Zu Beginn der Unterrichtseinheit wiederhole ich wieder den Bewegungsablauf und lasse die Kinder den Buchstaben schreiben. Auch hier sollen die Schülerinnen und Schüler wieder während des Schreibens mitsprechen und ich kontrolliere die richtige Schreibhaltung.

Diese Phase halte ich allerdings relativ kurz und geben den Kindern dann den Rest als Hausaugabe auf.

Hausaufgabe dazu: vorgeschriebene Zeilen fertig schreiben

5. Mögliche Stationen für ein Stationenlernen

Wenn die Abläufe dann passen, kann man ein Stationentraining anschließen, um nun die Automatisierung der Bewegung spielerisch zu fördern. Dazu habe ich fünf verschiedene Stationen:

  1. Wühlschüssel: Wörter auf Zetteln darin verstecken; die Kinder ziehen/wühlen sie heraus und schreiben sie auf ihre kleine Tafel
  2. Lesekreis: Mit der Lehrkraft in den Sitzkreis setzen. Leseblätter gemeinsam lesen und dann bearbeiten
  3. Aufgaben im Arbeitsheft bearbeiten
  4. Wörter und Buchstaben an die Tafel im Klassenzimmer schreiben
  5. Buchstaben und Wörter großformatig mit Wachsmalkreide auf eine Papierrolle oder DinA2-Blätter auf dem Boden schreiben.

Bildquellen: www.pixabay.de

8 Kommentare

  • Doro

    Vielen Dank für das Teilen, der Materialien und vor allem der Erfahrung. Habe gerade ein universitäres Seminar von Nichtpraktikern hinter mir!!

    • grundschul-universum

      Wir kennen das Gefühl, dass in der Uni die Praxis zu kurz kommt, daher ist es auch unser Ziel, schulische Erfahrungen zu teilen. Schön, dass du das so wertschätzt!! 🙂

  • Jessica

    Vielen Dank für die Materialien. Welche Schriftart hast du denn bei den Leseblättern verwendet? Leider werden mir die Arbeitsblätter alle nicht richtig angezeigt. Vielen Dank.

    • grundschul-universum

      Du müsstest die Leseblätter alle downloaden können, es sind alles Word-Dokumente (gerade getestet, bei mir ging es fehlerfrei). Die Schriftart heißt DR Buch. Versuche es nochmal und melde dich, wenn es nicht klappt. Wir finden dann sicher eine Lösung 🙂

  • Michaela Schwarz

    Hallo 🙂
    Danke für deine tolle Website, ich stöbere gerade alles durch, da ich heuer auch zum ersten Mal eine erste Klasse habe und noch keine Erfahrung mit Erstklässlern habe..
    Eine Frage zu deiner Buchstabenerarbeitung:
    1) wo gibt es das Buch zu kaufen? Ich finde keinen Händler der es hat :/
    2) also wenn ich so genau fragen darf… Wie ist dein zeitlicher Ablauf bzw. deine Organisation der Erarbeitung der Buchstaben? Machst du das alles Montags oder an zwei Tagen oder wie wenn du einen neuen Buchstaben einführst?
    Also die Erarbeitung bis hin zur Stationenarbeit die du beschreibst?
    Ich stehe etwas am Anfang und versuche meine Woche zu ritualisieren und durchzuplanen wann ich was mache.
    (Also wenn du dazu Tipps für mich hättest wäre ich extrem dankbar)

    Vielen Dank schon mal, ich freue mich von dir zu hören 🙂
    Alles Liebe,
    Michaela

    • grundschul-universum

      Liebe Michaela,
      zu 1): anscheinend wird das Buch gerade nicht aufgelegt. Vielleicht kannst du es irgendwo gebraucht finden :/
      zu 2): Buchstaben führe ich immer am Montag ein und arbeite die ganze Woche damit. Am Freitag gibt es dann immer eine Übungsrunde mit Stationentraining. Je nachdem wie die Klasse das schafft, mache ich diese Routine für die ersten 2 oder 3 Buchstaben. Dann führe ich zwei Buchstaben pro Woche ein (Montag und Mittwoch). Ich übe dann mit den Kinder Montag und Dienstag den einen und Mittwoch und Donnerstag den anderen Buchstaben. Jeden Freitag werden dann im Stationentraining beide Buchstaben zusammen geübt. Eventuell kann man sogar am Ende drei Buchstaben pro Woche einführen, das kommt aber drauf an.
      Das Konzept hat sich bei mir bewährt, da ich auch relativ schnell die Schreibschrift einführe und sich die Buchstaben dann nochmals festigen können.
      Hoffentlich hilft es dir ein wenig, natürlich muss da aber jede Lehrkraft ihr eigenes Konzept ausprobieren…

      Liebe Grüße
      Sabine vom Grundschul Universum

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